70 Jahre Kinobetriebe Marti – eine Thuner Erfolgsgeschichte

Die ersten dokumentierten Filmvorstellungen in Thun fanden ab 1897 im grossen Saal des Hotels Emmental statt. Als Attraktion galten zudem die Filmvorstellungen mit dem Kinematographen in Jahrmarktsbuden oder Zirkuszelten, wie sie auf der Velomatte (heutiger Bahnhofplatz) standen. Aber auch im Kursaal oder im Freienhofgarten fanden Filmvorführungen statt. Ab 1909 gastierte der Kinematograph Royal regelmässig im Hotel Löwen am Guisanplatz (Rex-Kreisel), 1915 wurde – mit der Bestuhlung aus der Festhalle der Schweizer Landesausstellung in Bern – im Löwensaal ein permanentes Kino eingerichtet. Bereits seit 1910 existierte im Restaurant Steinbock im Bälliz das Volkskino (im Volksmund „Revolverküche“ genannt) und 1919 folgte mit dem Grand Cinema Falken ein weiteres Innenstadtkino.

Im Mai 1945 kaufte der Limonadenfabrikant Viktor Marti den Löwen. Während Tochter Erna für die Gastronomie zuständig war, übernahm 1948 Sohn Franz das Kino und legte damit den Grundstein für die erfolgreiche Geschichte der Kinobetriebe Marti. Nach dem Tod ihres Vaters 1951 liessen die Geschwister den altehrwürdigen Löwen abreissen und nach nur acht Monaten Bauzeit wurde am 26. Dezember 1952 das neue Kino Rex eröffnet. Der Thuner Architekt Livio Colombi entwarf einen stilprägenden Kinobau, welcher fortan das Stadtbild prägte: «Das Gesamtbild des Kinos mit dem offenen Foyer, dem austauschbaren Schriftzug sowie der diversen Beleuchtung, wirkte im Thun der 50er-Jahre wie ein Meilenstein der Urbanisierung, praktisch ein Symptom des damaligen Aufschwungs» (Guntram Knauer, ehemaliger Stadtplaner von Thun). Das Rex verfügte zu Beginn über 400 Sitzplätze; nach diversen Umbauten (u.a. erfolgte 1990 die Installation des Dolby-Stereo-Systems) noch 331 Sitze. 1968 übernahm Franz Marti das Kino Lauitor mit 354 Sitzplätzen (234 nach der Modernisierung von 1985). 1972 erfolgte die Übernahme des Kinos City, dessen 326 Sitzplätze nach der Renovation 1984 auf 215 reduziert wurden.

Ab den 60er Jahren setzte mit der Verbreitung des Fernsehens und dem Aufkommen der Video-Technik in Thun ein regelrechtes Kinosterben ein. 1962 wurde das Kino Falken im Bälliz, 1972 das Capitol im Dürrenast, 1975 das Apollo (ehemals Volkskino) und 1989 das Scala an der Frutigenstrasse geschlossen. Dank weiser Geschäftsführung und steter Investitionen in Technik und Komfort hielt Franz Marti mit seinen Kinos diesem Trend erfolgreich entgegen. Nach dem Tod von Franz Marti 1999 führte sein langjähriger Mitarbeiter Walter Loosli die Geschäfte; 2005 übernahmen schliesslich die Geschwister Nadia und Alain Marti die Kinobetriebe. Schon bald mussten sich die beiden mit der rasanten Entwicklung der Kinotechnik auseinandersetzen: Die digitale Projektionstechnik löste die die 35mm-Technik ab. 2009 wurde das Lauitor als erstes Kino im Berner Oberland auf digitale 3D-Projektion umgerüstet, zwei Jahre später folgte die Digitalisierung des Kinos City.

Am 8. Januar 2012 ging nach der Vorstellung von „Goldfinger“ das Saallicht im Rex zum letzten Mal aus: Mit dem Abriss des markanten Gebäudes endete eine 49jährige Kino-Ära.

9. Mai 2014: Nach rund 2jähriger Bauzeit entstand auf dem 12‘000m2 grossen Areal eine Gesamtüberbauung namens RexMax mit 180 Wohnungen, Büros und Ladenflächen wurde das neue Kino Rex eröffnet: ein Multiplexkino mit fünf Sälen und einer Gesamtkapazität von 1‘000 Plätzen. Projektions- und soundtechnisch auf dem absolut neuesten Stand der Technik, setzte die Kino Thun AG mit diesem momentan modernsten Kino der Schweiz vorläufig den letzten Meilenstein ihrer erfolgreichen Firmengeschichte.

Am 28. Februar 2016 liefen mit Ueli der Pächter, Ratatouille und Mamma Mia! die drei letzten Filme im Kino City. Damit endet endet nach über 50 Jahren eine Epoche Thuner Kinogeschichte.

(Quellen: Thuner Tagblatt, Hans Kelterborn, Jon Keller)